2018 - Kongress in Osnabrück

von Dr. Grit Hantzsche

Der 68. Wissenschaftliche Kongress der Verbände des Öffentlichen Gesundheitsdienstes vom 26. bis 28. April 2018 in Osnabrück stand unter dem kämpferischen Motto: „Der Öffentliche Gesundheitsdienst - jetzt erst recht!“ Vor dem Hintergrund ständig sinkender Beschäftigtenzahlen im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) demonstrierten die Ärztinnen und Ärzte zusammen mit den Zahnärztinnen und Zahnärzten aus den Gesundheitsämtern vor der OsnabrückHalle und forderten, endlich die tariflichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Die Diskriminierung gegenüber den Ärztinnen und Ärzten im Krankenhaus, beim MDK der Krankenversicherung und bei den Rentenversicherungen müssen abgebaut werden. Die Kundgebung vor der Kongresseröffnung wurde vom Marburger Bund unterstützt.

Ein ÖGD, der aufgrund der Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt ausblutet, darf nicht sein. Sowohl die niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Dr. Carola Reimann, als auch Susanne Wald, Leiterin der Abteilung 3 im Bundesgesundheitsministerium, betonten in ihren Grußworten die Wichtigkeit des ÖGD bei der Bewältigung der Ereignisse in den letzten Jahren. Die Influenzapandemie 2009, der EHEC-Ausbruch 2011 und Ebola 2014, aber auch die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben, als 2015/16 die Flüchtlinge in großer Zahl nach Deutschland kamen, zeigten, dass der ÖGD mehr denn je gebraucht wird. Der ÖGD ist dabei mehr als Gesundheitsschutz und Hygieneüberwachung - er ist bürgernah, kompetent und unkompliziert am Menschen dran. Das Leitbild bringt dies zum Ausdruck.

Nah an den Themen der Zeit war auch das zahnmedizinische Programm des Kongresses. Nach der Veröffentlichung der DAJ-Studie läuft jetzt der Diskussionsprozess, wie die Präventionsstrategie der Gruppenprophylaxe in der Kita ausgerichtet werden sollte. Berg, Geschäftsführerin der DAJ, berichtete von den Ergebnissen eines „Symposiums zur Weiterentwicklung der Gruppenprophylaxe auf Basis der DAJ-Studie 2016“ und forderte ein Umdenken von der Gruppenprophylaxe in der Kita hin zur Gruppenprophylaxe mit der Kita, also eine partnerschaftliche Zusammenarbeit im Sinne von integrierten mundgesundheitlichen Präventionsketten. Dass dies funktionieren kann, stellten Schütz und Bartsch aus Dormagen und dem Rhein-Kreis Neuss vor. Mit dem Projekt „Gemeinsam gegen Karies“ konnte die Stadt mit den meisten kariösen Kinderzähnen im Kreis erhebliche Verbesserungen erzielen. Ein Netzwerk aus Gynäkologen, Hebammen, Kinder- und Zahnärzten wurde mit Materialien versorgt, sodass durch die unterschiedlichen Akteure bis zu sieben Impulse die Kinder und ihre Eltern im Jahr erreichte. Vier Jahre nach Einführung des Projekts konnten veränderte Verhaltensweisen in den Kariesrisikogruppen nachgewiesen werden - statt Tee mit Zucker wird Schorle getrunken, in der Nacht gibt es Wasser, das Zähneputzen beginnt eher und ist regelmäßiger und ein Zahnarztbesuch im ersten Lebensjahr ist häufiger. Die Karieshäufigkeit wurde halbiert.

Traditionell stellte sich zum ersten Vortrag die Landesstelle oder die Region vor, in der der Kongress stattfindet. Brunner-Strepp aus dem Zahnärztlichen Dienst von Stadt und Landkreis Osnabrück schlug den Bogen von ihren Anfängen 1981 bis heute. Der Wandel in Pädagogik und Wissenschaft forderte eine stete Anpassung der Prophylaxe-Programme, um bei den Kindern, den Eltern und in den Einrichtungen erfolgreich zu sein.

Regelmäßiger Bestandteil im Kongressprogramm ist die Vorstellung aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen. Katsikogianni untersuchte Häufigkeit und Risikofaktoren der craniomandibulären Dysfunktionen bei Kindern und Jugendlichen. Deinzer beschäftigte sich mit der Frage, über welche Mundhygienefertigkeiten die Jugendlichen am Ende der Gruppen- und Individualprophylaxe verfügen. Alexy setzte sich mit Nutzen und Risiken von Süßungsmitteln in der Ernährung auseinander.

Auch in diesem Jahr wurden Redebeiträge zur Mundgesundheit von Menschen Behinderung und mit erhöhtem Pflegebedarf angeboten. Schulte analysierte die zahnärztliche Versorgung von Menschen mit Down-Syndrom und forderte die Einrichtung von medizinischen Zentren für Menschen mit Behinderung, in denen auch Zahnärzte tätig sein sollten. Während Bomfleur allgemein über die zahnärztliche Betreuung in der stationären Pflege und die Arbeit der Zahnmedizinischen Arbeitsgruppe für Menschen mit Behinderung in Niedersachsen e. V. berichtete, stellte Krömer das Ergebnis einer Interventionsstudie vor und zeigte wie Schulungen des Pflegepersonals im Kreis Ostholstein die Mundhygienesituation pflegebedürftiger Menschen erheblich verbessern konnte.

Die Expertise des BZÖG als wissenschaftliche Fachgesellschaft wird in letzter Zeit immer mehr bei der Leitlinienerstellung hinzugezogen. Petrakakis erläuterte dem Auditorium, was Leitlinien im Gegensatz zu Richtlinien sind, welche Evidenzstufen es gibt und wobei der BZÖG aktuell involviert ist. Herzog stellte dar, wie mit dem Gini-Koeffizenten die Konzentration der Kariesrisikokinder in den verschiedenen Kindergärten berechnet werden kann, um Ressourcen der Prophylaxe bedarfsgerecht einzusetzen. Nachdem Pfaff 2016 vorgestellt hatte, dass in Baden-Württemberg im Rahmen der DAJ-Studie der ICDAS zum Einsatz kam, konnte er nun genaue Zahlen zum Zeitbedarf dieser Untersuchungsmethode vorstellen.

Auf der Delegierten- und Mitgliederversammlung des BZÖG am Rande des Kongresses wurden Satzungsänderungen beschlossen und der Vorstand für zwei weitere Jahre wiedergewählt. Das Protokoll finden Mitglieder demnächst im internen Teil.

 

Zahnärztlicher Dienst des Landkreises Osnabrück 1987 - heute. (M)ein starkes Team für gesunde Zähne Dr. Brunner-Strepp
Von der Sozialen Zahnheilkunde zur "erbbiologischen" Durchmusterung Dr. Kirchhoff
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bei Kindern und Jugendlichen Dr. Katsikogianni
Genauer hinschauen: Der Mehrwert von ICDAS in der epidemioogischen Begleituntersuchung in Baden-Württemberg Dr. Pfaff
Süßungsmittel in der Ernährung: Nutzen und Risiken Dr. Alexy
Schlussfolgerungen der Deutschen Abeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. aus den Epidemiologischen Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe 2016 Berg
Intersdisziplinäre Vorgehensweise im Rahmen der Frühen Hilfen Bartsch/Schütz
KAI oder Chaos? Mundhygienefertigkeiten am Ende der Gruppen- und Individualprophylaxe Prof. Deinzer
Untersuchung zur zahnärztlichen Versorgung von Menschen mit Down-Syndrom Prof. Schulte
Leitlinien und deren Bedeutung Dr. Petrakakis
Quantifizierung des Kariesrisikos - der Gini-Koeffizient Dr. Herzog
Zahnärztliche Betreuung in der stationären Pflege in Niedersachsen Dr. Bomfleur
Verbesserung der Mundhygiene pflegebedürftiger Menschen durch Schulungen des Pflegepersonals im Kreis Ostholstein - Ergebnisse einer Interventionsstudie Dr. Krömer

 

 

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