Verbesserte Mundhygiene senkt das Risiko nosokomialer Pneumonien

Erreger gelangen vom Mundraum in die Lunge

Eine auf der Tagung „Global 2026“ der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) in München vorgestellte Studie zeigte, wie eine durch vergleichsweise einfache Verbesserung der Mundhygiene bei stationär untergebrachten Klinikpatienten das Risiko nosokomialer, nicht beatmungsassoziierter Pneumonien drastisch gesenkt werden konnte.

Die sogenannte HAPPEN-Studie (Hospital Acquired Pneumonia Prevention), an der über 8.000 Patienten beteiligt sind, ist der ESCMID zufolge die bislang einzige multizentrische randomisierte kontrollierte Studie (RCT) im Krankenhausumfeld, die diesen Ansatz evaluiert.

Studienleiter Prof. Brett Mitchell von der Avondale University in Australien erklärt, warum eine verbesserte Mundhygiene das Risiko einer Lungenentzündung verringern kann: „Eine nosokomiale Lungenentzündung entsteht typischerweise dadurch, dass Flüssigkeiten aus Mund oder Rachen in die Lunge gelangen.

Krankenhausbedingte Atemwegserreger werden häufiger bei Patienten nachgewiesen, die ihre Speichelsekrete nicht selbstständig abhusten können. Man geht davon aus, dass diese Infektionen hauptsächlich durch die körpereigene Mundflora und weniger durch Übertragung von Mensch zu Mensch verursacht werden. Eine verbesserte Mundhygiene trägt dazu bei, diese Erreger im Mund zu reduzieren und somit potenziell das Risiko einer nachfolgenden Infektion zu senken.“

Die HAPPEN-Studie ist eine multizentrische, gestufte Cluster-RCT (randomisierte, kontrollierte Studie) auf neun Stationen in drei australischen Krankenhäusern über einen Zeitraum von zwölf Monaten bis August 2025. Auf jeder Station wurde die Intervention alle drei Monate eingeführt. Insgesamt nahmen 8.870 Patienten an der Studie teil, von denen sich 4.347 während des Interventionszeitraums auf Station befanden.

In der Interventionsphase erhielten die Patienten bei der Aufnahme eine Zahnbürste, Zahnpasta, Informationsmaterialien und Zugang zu zusätzlichen Online-Ressourcen. Das Gesundheitspersonal wurde vor Ort geschult und erhielt ebenfalls Zugang zu Online-Ressourcen sowie praktische Unterstützung zur Verbesserung der Mundpflege. Die Kontrollgruppe entsprach der üblichen Praxis.

Das Programm führte zu einer deutlichen Verbesserung der Mundhygiene bei Krankenhauspatienten. Der Anteil der Patienten, die Mundpflege erhielten, stieg von 15,9 Prozent in der Kontrollgruppe auf 61,5 Prozent in der Interventionsgruppe. Überprüfungen ergaben, dass die Mundpflege durchschnittlich 1,5 Mal täglich durchgeführt wurde. Die Teilnahme an der Intervention ging mit einer statistisch signifikanten Reduktion des Risikos für nosokomiale Pneumonie einher. Die Inzidenz sank von 1,00 auf 0,41 Fälle pro 100 stationäre Behandlungstage – was einer Reduktion von etwa 60 Prozent entspricht. Mit Blick auf die Zukunft erklärte Mitchell: „Die Leitlinien erkennen bereits die Bedeutung der Mundpflege bei der Prävention von nosokomialer Pneumonie an, doch die Evidenz für diese Empfehlungen war bisher begrenzt. Unsere Studie liefert nun aussagekräftige Erkenntnisse aus dem Krankenhausumfeld. Der nächste Schritt besteht darin, besser zu verstehen, wie strukturierte Programme effektiv implementiert und auf allen Krankenhausstationen nachhaltig etabliert werden können.“

Sie finden den vollständigen Beitrag unter www.zm-online.de

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