Forschende aus China haben Schmelzbildungsstörungen genauer unter die Lupe genommen. Dafür untersuchten sie eine bei einem Patienten beschriebene Mutation im Keratinocyte Differentiation Factor 1 (KDF1), p.R303P im Maus- und Zellmodell.
Die Ergebnisse zeigen, dass diese Mutation die Zelladhäsion und die Funktion von Ameloblasten beeinträchtigt. Um die Auswirkungen der Mutation zu untersuchen, analysierten die Forschenden Mäuse, die eine oder zwei mutierte Kopien von KDF1 trugen. Beide Gruppen entwickelten Schmelzanomalien, wobei die schwersten Defekte bei homozygoten Tieren beobachtet wurden. Die Mäuse zeigten dünneren Zahnschmelz, eine verringerte Mineraldichte, eine abnorme Schmelzprismenstruktur und Hinweise auf einen verzögerten Zahndurchbruch. Mutierte Mäuse wiesen außerdem niedrigere Spiegel wichtiger Schmelzproteine und Enzyme auf, darunter Amelogenin, Ameloblastin, Matrix-Metalloproteinase 20 und KLK4, die für die Schmelzsekretion und -reifung erforderlich sind. Statt zu schmelzbildenden Zellen auszureifen, verblieben die mutierten Ameloblasten in einem proliferativen Zustand und differenzierten nicht korrekt. Nach Interpretation der Forschenden verbindet KDF1 Zelladhäsion mit Signalwegen, die Proliferation und Differenzierung von Ameloblasten steuern.
Anschließend testeten die Forschenden, ob eine Korrektur dieses gestörten Signalgleichgewichts die Schmelzentwicklung verbessern könnte. Mit Verteporfin, einem Wirkstoff, der YAP-TEAD1-Interaktionen hemmt, konnten sie das abnorme Zellverhalten teilweise rückgängig machen. Behandelte Zellen zeigten eine verringerte Proliferation und eine verbesserte Differenzierung, während mutierte Mäuse ein erhöhtes Schmelzvolumen aufwiesen. Zwar wurde die Schmelzmineralisierung nicht vollständig wiederhergestellt, doch die Ergebnisse zeigten, dass sich der gestörte Signalweg im Modell pharmakologisch beeinflussen lässt.